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MARLENE SCHRETTER

Die häufigsten Fehler im Editorial Design – und wie man sie vermeidet

Autorenbild: Marlene Schretter
Marlene Schretter
2. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Editorial Design ist mehr als die Gestaltung einzelner Seiten. Ob Geschäftsbericht, Nachhaltigkeitsbericht, Magazin, Buch oder Katalog – eine Publikation muss Inhalte strukturieren, Orientierung schaffen und gleichzeitig eine klare visuelle Sprache vermitteln.


Gerade bei umfangreichen Publikationen entstehen jedoch schnell gestalterische Probleme: Inhalte wirken überladen, Seiten uneinheitlich oder wichtige Informationen gehen in der Gestaltung unter.


Die gute Nachricht: Viele dieser Fehler lassen sich vermeiden, wenn Editorial Design nicht erst am Ende des Prozesses beginnt, sondern von Anfang an als visuelles System gedacht wird.


Hand mit Uhr ordnet Fotos und Skizzen auf weißem Tisch; bunte Stifte, sichtbarer Text Wiek., ruhige Kreativszene.
Skizzen helfen dabei, eine ersten groben Eindruck zu bekommen.

Hier sind die häufigsten Fehler – und was eine professionelle Gestaltung besser macht.



1. Zu viele Gestaltungselemente


Mehr Gestaltung bedeutet nicht automatisch besseres Design.


Viele unterschiedliche Schriftgrößen, Farben, Linien, Icons, grafische Elemente und Bildstile können eine Seite zwar auf den ersten Blick interessant machen, gleichzeitig aber die Orientierung erschweren.


Gerade bei umfangreichen Publikationen ist Zurückhaltung deshalb eine Stärke. Gestaltung sollte Inhalte unterstützen und nicht mit ihnen konkurrieren.


Besser: Wenige, gezielt definierte Gestaltungselemente einsetzen und diese konsequent wiederholen.


Ein klares visuelles System schafft Ruhe und sorgt dafür, dass auch komplexe Inhalte verständlich bleiben.



2. Fehlende typografische Hierarchie


Eine gute Typografie führt durch den Inhalt.


Überschriften, Zwischenüberschriften, Fließtext, Bildunterschriften, Zitate oder Infokästen haben unterschiedliche Funktionen – und sollten deshalb auch visuell unterscheidbar sein.


Fehlt diese Hierarchie, entsteht schnell eine Textfläche ohne klare Orientierung. Leser*innen müssen erst herausfinden, wo ein neuer Abschnitt beginnt oder welche Information besonders relevant ist.


Besser: Eine typografische Hierarchie entwickeln, die Größe, Gewicht, Zeilenabstand und Abstände sinnvoll miteinander kombiniert.


Dabei muss nicht jede Information auffällig gestaltet werden. Oft entsteht Klarheit gerade durch bewusste Abstufungen.



3. Zu wenig Weißraum


Bei umfangreichen Publikationen ist Platz oft knapp. Trotzdem sollte nicht jeder freie Zentimeter mit Inhalt gefüllt werden.


Weißraum ist kein verschenkter Platz. Er strukturiert Inhalte, schafft visuelle Pausen und gibt einzelnen Elementen Raum. Ein überfülltes Layout kann selbst hochwertige Inhalte anstrengend wirken lassen.


Besser: Freiräume bewusst als Gestaltungsmittel einsetzen.


Besonders bei Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten mit vielen Informationen kann Weißraum entscheidend dazu beitragen, komplexe Inhalte zugänglicher zu machen.



4. Ein Raster fehlt – oder wird zu starr eingesetzt


Ein gutes Layout entsteht nicht zufällig. Ein Raster bildet die Grundlage für die Positionierung von Texten, Bildern und anderen Gestaltungselementen.


Ohne ein durchdachtes Raster wirken Seiten schnell uneinheitlich. Wird das Raster hingegen zu streng angewendet, kann eine Publikation monoton und vorhersehbar wirken.


Besser: Ein flexibles Gestaltungsraster entwickeln.


Es schafft Konsistenz, lässt aber gleichzeitig genügend Spielraum, um unterschiedliche Inhalte angemessen zu inszenieren. Das ist besonders bei längeren Publikationen wichtig: Jede Seite darf ihren eigenen Charakter haben und sollte trotzdem als Teil des Gesamtwerks erkennbar bleiben.



5. Bilder werden nur als Füllmaterial verwendet


Ein Bild sollte nicht nur deshalb eingesetzt werden, weil auf einer Seite noch Platz ist.


Bildsprache kann Inhalte erklären, Emotionen erzeugen, Geschichten erzählen und die Wahrnehmung einer gesamten Publikation prägen. Ein beliebiges Stockfoto kann deshalb schnell austauschbar wirken – selbst wenn das eigentliche Layout gut gestaltet ist.


Besser: Bildauswahl und Gestaltung gemeinsam denken.


Welche Geschichte soll erzählt werden? Welche Stimmung passt zum Inhalt? Welche Bildsprache entspricht dem Unternehmen oder der Marke? Wenn diese Fragen früh geklärt werden, entsteht eine deutlich stärkere visuelle Gesamtwirkung.



6. Inhalt und Gestaltung werden getrennt voneinander entwickelt


Ein typisches Problem bei Publikationen: Der gesamte Inhalt steht bereits fest und erst danach beginnt die Gestaltung.


Das kann funktionieren – optimal ist es nicht. Denn Textmenge, Überschriften, Bildmaterial, Tabellen, Grafiken und redaktionelle Schwerpunkte beeinflussen unmittelbar das Layout.


Besser: Redaktion und Gestaltung frühzeitig miteinander verzahnen.


Editorial Design kann dabei helfen, Inhalte bereits während ihrer Aufbereitung zu strukturieren. Ein langer Text braucht beispielsweise eine andere visuelle Dramaturgie als ein Interview, eine Kennzahlensammlung oder eine Infografik.



7. Zu viel Inhalt auf einer Seite


Gerade bei Geschäftsberichten und anderen informationsreichen Publikationen ist die Versuchung groß, möglichst viele Inhalte auf möglichst wenig Seiten unterzubringen.


Das spart zwar Platz, kann aber zulasten der Verständlichkeit gehen.

Wenn Texte, Tabellen, Grafiken und Bilder gleichzeitig um Aufmerksamkeit konkurrieren, wird die eigentliche Aussage schnell unklar.


Besser: Inhalte priorisieren.


Was ist die wichtigste Information? Was muss sofort erfasst werden? Was kann ergänzend gelesen werden? Professionelles Editorial Design schafft daraus eine visuelle Hierarchie und macht komplexe Inhalte Schritt für Schritt erfassbar.



8. Jede Seite sieht gleich aus


Konsistenz ist wichtig. Gleichförmigkeit nicht unbedingt.


Wenn jede Seite exakt nach demselben Muster aufgebaut ist, verliert eine Publikation schnell an Spannung. Besonders bei Magazinen oder umfangreichen Unternehmenspublikationen kann dadurch der Eindruck entstehen, dass sich die Gestaltung ständig wiederholt.


Besser: Mit wiederkehrenden Regeln und unterschiedlichen Layoutvarianten arbeiten.


Typografie, Farben, Raster und Bildsprache sorgen für den Zusammenhang. Unterschiedliche Seitenkonzepte schaffen gleichzeitig Dynamik. So entsteht ein Gestaltungssystem, das flexibel genug für unterschiedliche Inhalte ist.



9. Gestaltung und Corporate Design passen nicht zusammen


Eine Publikation kann hervorragend gestaltet sein und trotzdem nicht zur Marke passen.


Editorial Design sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Farben, Typografie, Bildsprache und Tonalität müssen sich in das bestehende Erscheinungsbild eines Unternehmens einfügen – oder dieses dort sinnvoll erweitern.


Gerade bei Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten ist die Verbindung zwischen Corporate Design und Editorial Design entscheidend.


Besser: Bestehende Markenwerte als Ausgangspunkt nehmen und daraus ein eigenständiges, aber konsistentes Editorial-System entwickeln.


So wirkt die Publikation nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein selbstverständlicher Teil der Marke.



10. Das Layout wird nur für die einzelne Seite gedacht


Eine einzelne schöne Seite ist noch kein gutes Editorial Design.


Bei einer Publikation geht es um das Zusammenspiel vieler Seiten: den Einstieg, die Dramaturgie, Kapitelwechsel, wiederkehrende Elemente und die Orientierung innerhalb des gesamten Dokuments. Die Gestaltung muss deshalb nicht nur auf Seitenebene funktionieren, sondern auch über mehrere Seiten hinweg.


Besser: Die Publikation als Ganzes konzipieren.


Welche Struktur erwartet die Leser*innen? Wo entstehen visuelle Schwerpunkte? Wo braucht es Ruhe? Wie werden Kapitel voneinander unterschieden? So wird aus einer Sammlung gestalteter Seiten ein zusammenhängendes Medium.





Was professionelles Editorial Design ausmacht


Die meisten Fehler im Editorial Design entstehen nicht, weil einzelne Gestaltungselemente grundsätzlich falsch eingesetzt werden. Sie entstehen, wenn das große Ganze fehlt.


Professionelles Editorial Design beginnt deshalb mit Fragen:


Was soll kommuniziert werden? Für wen? In welchem Kontext? Und wie lässt sich der Inhalt visuell so strukturieren, dass er verständlich und relevant wird?


Erst daraus entwickeln sich Raster, Typografie, Bildsprache, Farben und Layout.

Das Ergebnis sollte nicht einfach „schön“ aussehen. Es sollte Orientierung geben, Inhalte zugänglich machen und gleichzeitig die Identität des Unternehmens oder der Publikation transportieren.


Fazit: Weniger Gestaltung, mehr Klarheit


Gutes Editorial Design muss nicht laut sein. Es muss funktionieren.


Eine klare Typografie, ein durchdachtes Raster, sinnvoll eingesetzter Weißraum, eine passende Bildsprache und eine konsistente Gestaltung sorgen dafür, dass auch komplexe Inhalte verständlich bleiben.


Gerade bei umfangreichen Publikationen wie Geschäftsberichten, Nachhaltigkeitsberichten, Magazinen oder Katalogen ist ein durchdachtes Designsystem deshalb entscheidend.


Denn gutes Editorial Design gestaltet nicht nur Seiten. Es strukturiert Kommunikation.



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Ob Geschäftsbericht, Magazin, Katalog oder Buch – ich entwickle Editorial Designs, die Inhalte strukturieren und Marken klar kommunizieren.



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